Das Credo

Der Mensch ist das Wichtigste. Der Mandant als Mensch und der Mensch als Anwalt.Nur wer neugierig auf die Menschen ist, wird Antworten auf ihre Fragen und Lösungen für ihre Probleme finden können. Da gilt für den Anwalt nichts anders, als für den Arzt, den Kfz-Mechaniker oder den Gemüseverkäufer.Nur wenn Recht verständlich und nachvollziehbar für den ihm unterworfenen Menschen bleibt, wird der Mensch „im Recht“ bleiben, also nicht nur sein tatsächliches Recht bekommen, sondern im Einklang mit dem Recht – auch des anderen – leben können.Nur wenn die staatstragende Rechtsordnung sich im Recht des Einzelfalls bewährt und sich der Mensch nicht zum Objekt der ihn umgebenden Rechtsordnung herabgesetzt fühlt, wird er den rechtsetzenden Staat weiter tragen.Die Rechtsordnung codiert den Interessenausgleich zwischen Menschen im gleichen Recht; diesem Ausgleich immanent sind divergierende Interessen der Menschen, die selten nur sachliche, immer aber – jedenfalls auch – menschliche sind.Die Berufung des Anwalts ist, das Sachliche solchen menschlichen Interesses heraus zu arbeiten und ihm zu der Geltung zu verhelfen, die dem Menschen verständlich und nachvollziehbar ist. Das kann und darf nicht immer bedeuten, dem – vielleicht nur vermeintlichen – Recht des – vielleicht irrenden – Menschen in jedem Fall positivistisch zur Durchsetzung zu verhelfen, muss aber immer zur Konsequenz haben, dem Menschen nachvollziehbar zu machen, dass das Recht auch seine Frage beantwortet. Und vor allem warum es sie im Sinne ausgewogener Gerechtigkeit so und nicht anders beantwortet.

In einer Zeit immer unübersichtlicher und unverständlicher, oft sogar widersprüchlicher werdender Rechtsordnung kommt der menschlichen Beziehung zwischen Mandant und Anwalt – neben dessen selbstverständlicher juristischer Fachkompetenz – immer größere Bedeutung zu.

Dafür muss der Anwalt seinen Mandanten kennen und als Mensch verstehen, muss einen Weg finden, dessen menschlichen Interessen sachlich Gehör, Gewicht und Relevanz zu verschaffen, damit der Mensch am Ende des Tages sein Recht bekommen kann.

Und der Mandant muss seinem Anwalt als Mensch vertrauen können, damit dieser ihn durch fremdes Terrain führen kann.

All dies eröffnet eine Bandbreite anwaltlicher Tätigkeit von der erklärenden Beratung über die kreativ-prophylaktische Konfliktvermeidung und den außergerichtlichen Interessenausgleich bis hin zur prozessual nachhaltigen Durchsetzung bestehender Rechte und letztlich auch deren Erzwingung gegen unbeugsame Uneinsichtigkeit.

Dafür muss der Anwalt Mensch sein dürfen und bleiben können. Er muss fähig sein, Einsicht und Frieden ebenso zu stiften, wie die Auseinandersetzung konsequent zu führen und zu gewinnen.

Dabei wird das leidenschaftliche Bekenntnis zur Freude am Gewinnen den guten Anwalt vom schlechten unterscheiden, denn der Anwalt ist in erster Linie Interessenvertreter seines Mandanten.

Das Recht des Anderen hat andere Anwälte.

Der Erfolg des Anwalts ist die Zufriedenheit seines Mandanten – mit der gewonnenen Einsicht, dem erreichten Frieden oder dem erstittenen Prozeßerfolg. Je nach sachlicher Lage.

Damit der Mensch in Harmonie mit seinem Recht leben kann.

Diesem Ziel habe ich mich verschrieben.

Rechtsanwalt
Martin Gunne